Mittwochspost: Adé Gedankenwelt, Hallo berufliche Umorientierung

Abigal mit ihren Wurzelnden Eigenschaften

Wieder ist eine Woche der Social Media Abstinenz vorbei. Mir fällt schon seit dem ersten Post auf, wie schwierig es ist, Blogposts zu verfassen, die sich weder mit dem Weltgeschehen noch mit einem Fachthema befassen. Ich meine, natürlich ist viel passiert diese Woche, ich kann ja garnicht still sitzen. Ich kämpfe dagegen an, aus diesem Blog ein Tagebuchartiges Logbuch werden zu lassen, denke schon darüber nach, euch mit Sachthemen zu bereichern. Aber im Moment sind mir andere Dinge wichtiger als ein gut Recherchierter Blogpost über Design, Selbstversorgung, Malerei oder Näherei… und ja, ich kann sehr gut nähen.

Wirklich spannend werden meine Projekte erst, wenn sie für euch Greifbar wären. Was nützt euch die Information darüber, wie viele Wörter Diaspora – Twin Saga bereits füllt?

Zur Information: Es sind ca. 27.700. 😉 Aber dazu zähle ich auch ein paar Seiten Notizen.

Mit diesem Bild wurde Abigal erfunden.
Ein Pixelbild von Strana.

Wer die Geschichte seit Anfang an verfolgt weiß, dass sie verschiedene Phasen durchlebt hat, und die Erzählung damit immer wieder an verschiedenen Stellen begann. Zwar war Abigal schon lange ein „OC“ von mir, aber die Geschichte, damals noch ein Comic, fing mit Strana, einer neugierigen Hexe in einem Hexeninternat an. Ja… inzwischen ist viel Wasser die Weser entlanggelaufen und ich bin NICHT sehr stolz auf diesen Entwurf. Es wird ihn im Laufe der Geschichte geben, aber nicht so Plump, wie er am Anfang war.
Dann kam mit meiner Co-Autorin auch irgendwann der zweite Comicentwurf und zeigte Abigal auf der Erde wohnend, auf ihre Vergangenheit in Dílôn rückblickend. Damals reiste sie als naive Abenteurerin durch Dílôn und wurde von primitiv anmutenden Koronern gefangen genommen. Sie befreite sich und andere Gefangene, unter anderem einen Reminus, und dieser übertrug als Dank seine Fähigkeiten auf sie. Aber das war nicht die Endstation des Entwurfs. Denn die Koroner sind eigentlich nicht primitiv. Und irgendwie war die Panelführung nicht schlüssig.

Eine kleine Skizze mit mir und meiner Co-Autorin zu unserem 50 Likes-Jubiläum

Es passierte viel in unseren Köpfen, die Geschichte bekam Wendungen, Abigal eine richtige Vergangenheit mit Heimat und Vater. Erst hier wurde es richtig spannend. Die Idee des dankbaren Reminus ist in den Hintergrund getreten und Abigal bekam eine dramatische Vorgeschichte; ihr Ableger wurde von den Koronern Blutrünstig angegriffen, Abigal gefangen genommen. Sie entschied sich, überzulaufen, nur um die Gefangenen zu befreien. Ich weiß nicht mehr, ob es hier den Überdankbaren Reminus noch gab. Und ehrlich gesagt wusste ich an dem Punkt nicht mehr genau, wie die Geschichte mit den Flüchtigen weiter gehen soll.

Doch dieser Entwurf war an sich sehr gut und ich überredete meinen Mann und meine Co-Autorin, ein Point and Click Adventure daraus zu machen. Innerhalb einer Woche hatten wir zu dritt schon ein funktionierendes Gasthaus entworfen, mit tollem Interface. Sehr vielversprechend. Doch bald merkte ich, wie schwierig es war aus dem Handlungsstrang eines Comics ein Point and Click zu formen. Ich begann, die Geschichte weiter zu bearbeiten.
Dann fing sie plötzlich mit einer dramatischen, Lebensmüden Cutscene im Verlies an. Abigal bekam etwas eingeflößt und wachte danach in der Gedankenwelt auf… Ja. Das ist die Geburtsstunde der Gedankenwelt gewesen.

Screenshot aus dem Spiel

Irgendwie schien es mir mehrere Jahre Sinnvoll, die Fantasygeschichte in der Gedankenwelt beginnen zu lassen. Die Hinweise meines Visionaire-Freundes, dass es falsche Erwartungen an den Spielverlauf beim Spieler weckt, habe ich gekonnt ignoriert. Als es mir dann doch wie Schuppen von den Augen fiel habe ich alle Rätsel bereits fertigprogrammiert, es fehlten nur noch ein paar Animationen. Frustriert nahm ich mir eine Auszeit, zumal da auch mein Vater schwer erkrankte und ich mich um ihn kümmern musste…

Es war eine Zeit, in der ich erkannte, wie langwierig dieses Projekt im Hobbyumfang werden würde. Und wieder mahnte mein Visionaire-Freund und behielt recht. Er erklärte, ich solle einen Roman schreiben. Es würde mich glücklicher machen und auch der Geschichte gut tun. Ich wimmelte ihn ab: Nein, nein. Ich kann nicht schreiben. Im nachhinein absurd.

Ich möchte betonen: ich kenne den Namen meines Visinaire-Freundes und halte auch heute noch sehr viel von ihm. Leider hatten wir Bezüglich Corona starke Differenzen und haben so Abstand von einander genommen.

Aber dann passierte es, dass ich, nach guten 14 Jahren Diaspora, die Schnauze voll hatte vom Dümpeln. Ich bin in all den Jahre nie über die Gedankenwelt hinaus gekommen! Das ist Absurd, denn ich habe eine sehr lange Geschichte, die erzählt werden möchte. Ich habe Notizen über Notizen. Skizzen, Ideensammlungen, Charaktere. Ordner voll damit. Und mein Leben soll endlich mehr sein als zähes Programmieren und nicht von der Stelle kommen.

Ich war lange genug geduldig, aber nun war es an der Zeit, dass Diaspora – Twin Saga wieder Spaß macht und sich nicht wie schwere Arbeit neben der Arbeit anfühlt. Also habe ich, anfangs noch heimlich, ein Worddokument geschrieben. Die ersten 4000 Worte schrieb ich am Stück. Abigals Mutter lebt in diesem Anfang noch und ist Schwanger. Auch wenn die Mutter im Prolog sterben wird, konnte ich es nicht übers Herz bringen, auch das Baby (als Autor) zu töten. (Das klingt so furchtbar… Wir reden aber über eine fiktive Geschichte mit Blutrünstigem Angriffskrieg)

Und deshalb… hat Abigal eine Schwester namens Claire bekommen. Eins fügte sich zum anderen. Meine Probeleser sind begeistert, ich kann also wohl doch schreiben.

Jetzt kam eins nach dem anderen: der Koronerangriff in Abigals Kindheit, dann der „aktuelle“ Angriff. Abigals Gefangennahme. Alles fügte sich. Ich werde hier nicht spoilern. Doch auch hier kam die Gedankenwelt. Die Form des Wortes erlaubt mir, die Geschichte ganz anders zu erleben und zu schreiben. Eine Schwester ist das, was Abigal all die Jahre gefehlt hat. Eine Schwester.

Jetzt habe ich die letzten Monate ausgiebig an der Gedankenwelt gearbeitet. Montagnacht habe ich die Letzten Zeilen zu ebendieser geschrieben. Wie ich mich freue. Nun ist Platz für den Rest der Geschichte. Ich habe große Pläne mit Claire und Abigal. Abigal hat die Fähigkeiten eines Reminus‘ bekommen, wie schon einst geplant. All die Ideen, die sich zusammenhanglos in meinen Ordnern stapeln, scheinen ihren Platz zu bekommen. Das ist ein tolles Gefühl.

Im Grunde ist mir nicht wichtig, was mit der Geschichte passiert, denn ich weiß wie unwahrscheinlich ein Buch zum Bestseller wird. Und selbst davon kann man sich kein schönes Leben machen. Aber ob sie der nächste Harry Potter wird oder einsam in meinem Buchregal verstaubt: Hauptsache, sie findet endlich ihren Weg aus meinem Kopf auf Papier. Denn sie zu erzählen ist für mich ein Grundbedürfnis. Allein meine Probeleser glücklich zu machen ist mir wert, die Geschichte zu erzählen. 🙂

Die Überschrift hat euch aber noch eine Neuigkeit mitgeteilt: ja… ich orientiere mich beruflich um. Ich möchte es nicht verschreien, aber euch mitteilen, dass ich mich auf meine neuen beruflichen Herausforderungen sehr, sehr freue. 🙂

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